Jeder, der studiert bzw. schon einmal studiert hat, weiß was es heißt, wenn man sich im letzten Monat vor Semesterende in sein Zimmer einsperrt oder die Bibliothek als Hauptwohnsitz hat und Nachfüllungen für Markierungsstifte kaufen muss. Ja, die Final Exams stehen vor der Tür und man hat nur knappe 4 Wochen Zeit das Semester zu retten und all die Kraft in positive Klausuren zu stecken. Es geht uns doch allen gleich. Und jedes Jahr frage ich mich, wozu ich das alles denn lernen soll und wann ich das in meiner späteren Karriere anwenden kann. Und es kommt immer dieselbe Antwort - nämlich "nie"! Aber warum müssen wir das dann überhaupt machen und warum finden alle ProfessorInnen ihren Stoff am wichtigsten, auch wenn er noch so sinnfrei ist. Ja wahrscheinlich kommt es auf die Einstellung drauf an, vielleicht ist es der wichtigste Stoff in meinem Leben, den ich zu lernen habe, aber vielleicht eben auch nicht. Und dann habe ich Stunden an Arbeit "verschwendet", habe umsonst Texte gelesen, wo ich jedes zweite Wort googlen muss, habe kostbare Lebenszeit nicht richtig gelebt.
Abgesehen davon, gibt es nämlich zwei Arten von StudentInnen - die, die das Studium als Ernst des Lebens betrachten und als Anfang einer tollen Karrierechance sehen, und die, die einfach keine Lust zum Arbeiten haben und halt Studieren gehen, weil es ja sonst nicht mehr Möglichkeiten gibt. Naja, vielleicht gibt es noch solche, die eine Mischform der beiden Arten sind. Jedenfalls, ich gehöre zu den Ersteren. Aber der Grund, das ich zu den Ersteren gehöre, ist durch meinen Lebensweg heraus entstanden. Ich bin so aufgewachsen, ich habe gewisse Werte und kulturelle Ansichten vermittelt bekommen, und ja, das ist jetzt aus mir geworden, Ein Mensch, der viel Zeit der Uni widmet, aber zu 80% sich fragt, wozu er das alles im Leben verwenden könnte.
Ein Professor hat mal gesagt, dass das Lernen an der Uni wie Bulumie ist. Man lernt einen gewissen Stoff und stopft das ganze Wissen in sich rein, dann kommt man zur Prüfung, kotzt das ganze Wissen aus und danach vergisst man so ziemlich alles wieder. Man vergisst Sachen, für die man Stunden investiert hat, damit man sie sich merken kann. Man vergisst Sachen, für die ich Zeit meines Lebens vergeudet habe, nur damit ich bei der Prüfung positiv abschneide und daran nicht meine Intelligenz gemessen wird, sondern nur, ob ich gut im Auswendiglernen bin. Aber so läuft das System und wir sind alle ein Teil davon. Wir haben uns alle dazu entschieden, ein Studium zu beginnen, vielleicht gibt es auch Personen, die dazu gedrängt wurden. Mir wurde diese Entscheidung frei überlassen.
Und jetzt noch ziemlich am Anfang meines Studiums wird man schon leicht in eine Schiene hineingedrängt, in die sogenannte "Akademiker-Schiene". Man muss sich behaupten können und viele MitstudentInnen als Konkurrenz ansehen, weil es könnte ja sein, dass sie dir eines Tages einen Job wegnehmen. Aber dann hat man ja vielleicht nicht genug an sich gearbeitet? So wird es einem eingeredet. "Sei besser als die Anderen." "Lerne vernünftig zu denken und alles Erlebte und Wahrgenommene kritisch zu hinterfragen". Nein, nein, nein! Ich bin 21. Ich hab jetzt noch keinen Bock auf dieses Erwachsenen-Getue. Mich interessiert meine Ratio einen Sch***. Ich will nicht in eine Schiene gedrängt werden mit Persönlichkeiten, die ich eigentlich nicht besitze. Ich will frei sein. Ja, sie sagten, dass die Uni ein Ort der Freiheit ist, ein Ort, um sich individuell zu entfalten. Vielleicht hatten sie Recht, aber es ist auch vor allem ein Ort des Konkurrenz-Denkens, ein Ort, wo viel zu viele Personen mehr von sich halten, als eigentlich da ist, wo viel zu viele Personen Fremdwörter verwenden, die sie selber nicht erklären könnten. Und wir hören zu, weil wir eingeschüchtert sind von der Macht, die sie ausstrahlen, wir hören zu, weil sie Vorbilder sind und uns mit ihrem Wissen Honig um den Mund schmieren. Aber wollen wir wirklich dazugehören oder wird es von uns als StudentInnen nur verlangt? Ich will nicht tatenlos zusehen, wie ich mich verändere, weil es von mir so verlangt wird. Ich will frei sein und mich entfalten können und ja, wenn es sein muss, auch unvernünftig handeln. Ich will jetzt noch nicht all die Verantwortung übernehmen, denn das hat noch Zeit. Ich will ein junges Mädl sein, dass am Weg zur Selbsterkenntnis viele Fehler begeht und daraus lernt. Aber vor allem will ich kein Mädl sein, dass schon angekommen ist.
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